Amphetamin


Substanz


Speed bezeichnet die synthetische Substanz Amphetamin (alpha-Methylphenethylamin) und zählt zu den Stimulanzien („Upper). Andere Bezeichnungen: z.B. Pep, Amphe, Schnelles, Schnee, Peppen.Auf dem Schwarzmarkt erhältliches Amphetamin ist meist gemischt mit Streckstoffen wie Milchzucker, Koffein, Ascorbinsäure (Vitamin C) oder Medikamenten (Ritalin, DXM, Paracetamol). Der Wirkstoffgehalt im Pulver kann zwischen 10 und 80% schwanken, liegt jedoch meist bei 10–30%.Speed ist meist als weißes oder beigefarbenes Pulver auf dem Schwarzmarkt erhältlich; manchmal auch als Paste, selten in Tablettenform oder in Kapseln/Dragees.Die Substanz wird meist gesnieft, seltener in Zigarettenpapier eingewickelt und geschluckt („Bomben“) oder in einem Getränk ohne Alkohol aufgelöst, sehr selten geraucht oder injiziert. Amphetaminhaltige Präparate werden in der Medizin z.B. als Appetitzügler, Asthmamittel und bei Hyperaktivität verwendet.

Wirkmechanismus


Die Wirkung des D-Amphetamins auf das ZNS besteht hauptsächlich in der Ausschüttung der Neurotransmitter Noradrenalin (NA) und Dopamin (DA) – bei einem ungefähren Verhältnis von 3,5:1. Eine wesentliche Ausschüttung von Serotonin (5HT) wird dagegen nicht beobachtet. Die mitunter verwendete Bezeichnung Release (dt. für freisetzen) stammt aus dem Englischen und hat in die deutsche Fachsprache Eingang gefunden.
Der Release-Mechanismus umfasst drei Schritte:
  • den Einstrom des D-Amphetamins in die präsynaptische Zelle über den Transporter

  • die Freisetzung der Neurotransmitter aus den Vesikeln (Speicherbläschen innerhalb der Zelle) in den Zellinnenraum (Zytosol)

  • den aktiven Transport der Transmitter vom Zellinneren in den außerzellulären Raum (synaptischer Spalt), mittels einer Richtungsumkehrung des zellmembranständigen Transporters (Inversion).



Wirkung


Die Wirkung ist u.a. abhängig von der Dosis, dem Wirkstoffgehalt, den Gewöhnungseffekten sowie von Set (psychische und physische Voraussetzungen) und Setting (Umfeld) des Users. Beim Sniefen setzt die Wirkung nach ca. 4–15 min ein, beim Schlucken nach 30–45 min (Kick ist weniger stark; sanftere, aber längere Wirkung) und gespritzt nach wenigen Sekunden. Die Wirkung hält ca. 4–6 h an.

Dosierung


Da Speed meist stark gestreckt auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, sind Dosierungsempfehlungen nur schwer möglich. Eine mittlere Dosis zum Sniefen und Schlucken sind 15–20 mg reines Amphetamin (für eine 75 kg schwere Person). Bei einem Wirkstoffgehalt von z.B. 20% ist das also weniger als ein Zehntel eines Gramms. Wenn Du weißt, dass Dein Speed einen höheren Wirkstoffgehalt hat, pass die Dosierung dementsprechend an. Speed stimuliert das zentrale Nervensystem. Es bewirkt vor allem die Ausschüttung der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Der Körper wird in eine Art Ausnahmezustand versetzt, der sonst nur in Gefahrensituationen eintritt. Der Organismus stellt zweitrangige Bedürfnisse (Schlafen, Essen) zurück, weil die Energie für die Steigerung des Stoffwechsels und der Atmung benötigt wird. Puls und Blutdruck steigen an, die Körpertemperatur erhöht sich, Pupillen sind erweitert. So kann es zu folgenden Wirkungen kommen: gesteigerte Leistungsfähigkeit, erhöhte Konzentration und Aufmerksamkeit, erhöhtes Mitteilungsbedürfnis („Laber-Flash
) und Selbstvertrauen, körperliches Wohlbefinden, Zufriedenheit, Gelassenheit, vermindertes Schmerzempfinden. Unterdrückung von Hunger, Durst und Müdigkeit. Starke Steigerung der Libido (v.a. bei abklingender Wirkung) bei gleichzeitiger Unempfindlichkeit.

Nachweiszeiten


Im Blut/serum: meist bis zu 6 h, selten bis zu 24 h
Im Urin: 1–4 Tage

Kurzeitnebenwirkungen


Beim Sniefen: Brennen an Nasen- und Rachenschleimhäuten, Verletzung der Schleimhäute durch scharfkantige Speedkristalle. Außerdem möglich: Muskelkrämpfe, Herzrasen, Überreizung, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Aktivierung der Kaumuskulatur (Zähneknirschen, „Kau-Flash“), Erektionsschwierigkeiten auf Grund des geschrumpften Penis'. Psychisch: depressive Verstimmungen, Angst, paranoide Gefühlszustände, Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen. Viele KonsumentInnen berichten, dass sie unter dem Einfluss von Amphetaminen (v.a. in Kombination mit Alkohol) leichter aggressiv werden als sonst. Beim Nachlassen der Wirkung sind starke Erschöpfungszustände, Muskelschmerzen, depressive Verstimmungen, Konzentrationsmangel, großes Schlafbedürfnis und Heißhunger möglich. Diese Nachwirkungen können mehrere Tage anhalten.

Langzeitnebenwirkungen


Bei häufigem, hoch dosiertem Konsum über einen längeren Zeitraum können sich die Nebenwirkungen verstärken. Speed zehrt den Körper aus. Nasenschleimhäute und Nasenscheidewand werden beim Sniefen stark angegriffen. Möglich sind: Schwächung des Körperabwehrsystems und Infektionsanfälligkeit durch mangelnde Zufuhr von Mineralien/Vitaminen; Blutdruckerhöhung durch starke Belastung des Herzmuskels; ständige Unruhe, Schlaf- und Kreislaufstörungen, Depressionen, Paranoia bis hin zur Amphetamin-Psychose; Gewichtsverlust (unterdrücktes Hungergefühl, erhöhter Energieverbrauch), Hautentzündungen (Speed-Pickel) und Magenschmerzen. Bei häufigem Gebrauch innerhalb eines kurzen Zeitraums kommt es zu Toleranzausbildung (Dosis muss erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen). Psychische Abhängigkeit möglich.

Saferuse


Hast Du psychische oder körperliche Erkrankungen (u.a. Herz-Kreislauf-Probleme, Asthma, Leber- und Nierenerkrankungen), setzt Du Dich durch Speedkonsum einem besonderen gesundheitlichen Risiko aus. Hol unbedingt vorher Infos dazu ein und verzichte im Zweifelsfall auf den Konsum! Oft kannst Du nicht mit bloßem Auge erkennen, welche Substanz als Line vor Dir liegt. Wenn Dir etwas angeboten wird, frag, um welche Substanz es sich handelt. Aus Versehen z.B. eine Line Ketamin zu sniefen, kann die Party für Dich auf sehr unangenehme Weise frühzeitig beenden. Speedkonsum führt bei vielen Usern zu einer verstärkten Gesichtsmotorik („Kau-Flash“, Zähneknirschen). Ein Kaugummi kann helfen, Zähne, Zahnfleisch und Wangen zu schonen, gegen (Kau)Muskelkater hilft das allerdings nicht. Einige User empfehlen Magnesium und Kalzium zur Muskelentspannung. Speed entzieht Deinem Körper Mineralien und Vitamine; trink deshalb immer genügend Wasser bzw. vitaminreiche Fruchtsäfte und iss Obst und Gemüse oder Nüsse/Salzstangen. Kalziummangel kannst Du durch den Verzehr von Milchprodukten oder Hülsenfrüchten ausgleichen. Vitamin- und Mineralstoffpräparate können während oder nach dem Konsum kurzfristig hilfreich sein. User berichten, dass Getränke mit hohem Vitamin-C-Gehalt (z.B. Orangensaft) bei Überdosierung gut tun. Ausgiebige Konsumpausen und Erholungsphasen einplanen und einhalten! Schlucken ist risikoärmer als Sniefen oder Spritzen: Du schonst Deine Nase und kannst Infektionen vermeiden; wasserunlösliche Streckstoffe gelangen nicht in die Blutbahn. Die Wirkung setzt später und sanfter ein als beim Sniefen – wichtig: abwarten, nicht gleich nachlegen!
Zerhack das Pulver so klein wie möglich und achte auf eine saubere Unterlage. Benutze immer Dein eigenes, sauberes Röhrchen – am besten eins mit stumpfen oder abgerundeten Rändern. So beugst Du Verletzungen Deiner Nasenschleimhäute und Infektionen wie Herpes und Hepatitis vor. Bakterien und Viren am Ziehröhrchen oder an der Banknote können durch die gemeinsame Nutzung an andere Personen übertragen werden. Nach dem Konsum, wenn möglich: Nase spülen (1 TL Meersalz auf 1/4 l Wasser).

Frauenspecial


Frauen wiegen oft weniger als Männer. Pass die Dosis Deinem Körpergewicht an. Speedkonsum kann eine Veränderung Deines Hormonhaushalts bewirken. D.h., Menstruationsbeschwerden können verstärkt, der Monatszyklus gestört (unregelmäßige oder ausbleibende Periode) und die Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden. Dennoch kannst Du schwanger werden! Konsumierst Du häufig Speed und nimmst die Anti-Baby-Pille, ist es außerdem denkbar, dass die empfängnisverhütende Wirkung der Pille abgeschwächt wird. Der Konsum von Speed kann zu Erbrechen führen. Passiert das bis zu 4 h nach Einnahme der Pille, gelangt u.U. zu wenig Wirkstoff der Pille in den Blutkreislauf. DESHALB mit Kondomen oder anderen nicht-hormonellen Verhütungsmitteln vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen.

Paste


Amphetamin wird auf dem Schwarzmarkt teilweise auch als sog. Paste gehandelt. Die Substanz ist oft leicht feucht und klumpig und hat einen starken Amingeruch (ähnlich Geranienblättern). Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um die flüssige Amphetaminbase, gemischt mit Streckmitteln, woraus die beschriebene feuchte Suspension resultieren würde. Dafür, dass es sich um die Amphetaminbase handelt, spricht auch, dass Paste schnell die Wirkung verliert, was auf ein Verdunsten der Base zurückzuführen wäre, sowie der charakteristische Amingeruch. Ein Grund für den Verkauf als Paste kann darin liegen, dass die Herstellung einfacher und schneller durchzuführen ist, da ein Syntheseschritt (von der Base zum Salz) ausgelassen werden kann. Ein Nachteil liegt, wie erwähnt, im Wirkungsverlust. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede. Häufig stimmt es zwar, dass der Amingeruch von der Amphetaminbase kommt. Die Masse ist jedoch meist eine Mischung aus Base und Salz, wobei bei der Herstellung die Base häufig nicht komplett mit einer Säure zum Salz neutralisiert wird, da bei der Neutralisation nur bis zu einem bestimmten Punkt, an dem alle Amphetaminmoleküle mit einem Säureanion verbunden sind, Säure hinzugefügt werden darf. Dieser Punkt kann bei unsorgfältigem Arbeiten, was vor allem bei kleineren, weniger professionellen Synthesen der Fall ist, äußerst rasch überschritten werden. Dies wirkt sich negativ auf das Endprodukt aus. Zum Teil wurde beschrieben, dass von daher ein Teil der Amphetaminproben stammt, welcher beim nasalen Konsum (durch den zu niedrigen pH-Wert) als äußerst ätzend und beißend scharf empfunden wird und teilweise auch zur Schädigung der Nasenschleimhaut beitragen kann.

Unterschied Paste Pulver


Ganz nach dem Motto: Besonders potent und rein, da direkt aus dem Labor und deshalb noch feucht.Amphetaminpasten haben anscheinend unter den Konsumierenden einen besseren Ruf, reiner und koffeinfrei zu sein. Laut Analysen handelt es sich dabei jedoch um einen „Urban Myth“.


Methamphetamin


In den 1930er Jahren fügten Chemiker der Berliner Temmler-Werke dem Amphetamin eine zusätzliche Methylgruppe an und verkauften den neuen Wirkstoff in Tablettenform. Diese neue Substanz, Meth-amphetamin, war wirkungsvoller, aber auch gefährlicher. In der Nazizeit wurde sie als Pervitin in millionenfachen Dosen an die deutsche Wehrmacht vertgeilt – zur Steigerung von Leistungsfähigkeit und Konzentration. Die psychostimulatorische Wirkung brachte dem Stoff Spitznamen wie »Panzerschokolade « oder »Hermann-Göring-Pille« ein. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Temmler- Werke das Medikament noch vertrieben – und das, obwohl die Nebenwirkungen schon seit den 1940er Jahren bekannt waren. Erst 1988 wurde Pervitin vom Markt genommen.
Amphetamin und Methamphetamin unterscheiden sich chemisch kaum.
Warum wirkt Letzteres trotzdem intensiver? Durch die zusätzliche Methylgruppe wird die Substanz besser fettlöslich. So kann der Stoff leicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Im Hirn sorgt er dann für eine schnelle Freisetzung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin.

Farben


  • farblos, Amphetamin Base (Flüssig)

  • weis, Amphetaminhydrochlorid (Salz)

  • gelb, Amphetaminsulfat (Salz, die Farbe ensteht durch das reduzieren per Schwefel)

  • rosa, Amphetaminphosphat (Salz, die Farbe ensteht durch nicht ausgewaschenem überschüssigem roten Phosphor)

  • grün, Amphetamin-HCL / -SO4 /-PO4 (Salz, die Farbe ensteht durch Metallrückstände (Katalysator))






Quellen